Neues Angebot: Yoga

Wir haben der Yogalehrering Tanja Kündig vier Fragen gestellt. Unter anderem wollten wir von ihr wissen, welche Vorteile Yoga für Kampfsportler:innen bietet.

Tanja, was ist Yoga für dich?

Yoga ist heimkommen. Yoga ist richtig sein. Yoga ist das Tool, das immer verfügbar ist, in jeder Lebenssituation und in jedem Alter. Ich höre mich oft sagen «Yoga geht immer». Und das stimmt. Yoga passt sich dem Menschen an, der Yoga praktiziert. Richtig ist, was sich gut anfühlt. Yoga respektiert als wohl einzige Sportart, dass wir Menschen unglaublich unterschiedlich sind. Nicht jeder besitzt die anatomischen Voraussetzungen für eine Lotuspose oder den Spagat und das ist völlig in Ordnung. Es ist sogar etwas wunderschönes, diese Individualität; dass ein Downward Facing Dog doch bei jedem etwas anders ausschaut.

“Life gives to whoever will receive.” (The Untethered Soul) – Nimm dir vom Yoga, was zu dir passt und deinem Geist und Körper neue Energie verleiht.

Immer populärer wird heutzutage das Training mit dem eigenen Körpergewicht, auch Calisthenics genannt. Ich behaupte nun frech, dass Yoga ganz gut in diese «neuartige Denkweise» passt. Auch Yoga kräftigt den Körper und stärkt gezielt Muskelgruppen. Und für Yoga brauchst du eigentlich nur dich. Was sich simpel anhört, ist für viele Menschen extrem schwierig: nämlich Zeit mich sich selber zu verbringen. Das ist für mich der grosse Unterschied zwischen Yoga und Kraftsport (und vielen anderen Sportarten): an erster Stelle steht im Yoga immer das Bewusstsein sowie die eigene Wahrnehmung des Körpers und des Geistes. Im Vinyasa Yoga kommt zusätzlich der Atemfluss dazu. Prana, der Atem, symbolisiert im Yoga die Verbindung zwischen physischen und psychischen Gegebenheiten. «Mens sana in corpore sano.» Die Beziehung zum eigenen Körper spiegelt sich auch in der Seele wieder. Ich merke dass sich auch meine Wahrnehmung und Lebenseinstellung ändert, wenn ich in diese Beziehung investiere. Sich wohl fühlen, sich richtig fühlen: das ist, was ich meinen Schüler:innen weitergeben will. Ohne Yoga stünde ich heute nicht an dem Punkt, an dem ich mich jetzt befinde.

Wieso ist Yoga wichtig für Kampfsportler:innen?

Meinen Beobachtungen zufolge fokussiert Kampfsport (insbesondere Boxen) extrem auf die bauch- und brustseitige Körpermuskulatur, woraus (bestenfalls in Kombination mit einem Büroalltag) eine eher gebückte Haltung resultiert. In Extremen zu leben kreiert Spannung. Diese mag sich in diesem Fall früher oder später beispielsweise in Form von Rückenschmerzen äussern. Im Yoga suchen wir stets die Mitte, um solchen Folgen entgegen zu wirken. Sehr viele Übungen im Yoga, die ich selber häufig in meinen Lektionen verwende, kräftigen die obere und untere Rückenmuskulatur. Gezielter Muskelaufbau kann oftmals Beschwerden kompensieren oder mildern. Weiter werden viele Frauen (seltener Männer) früher oder später mit Osteoporose konfrontiert. Dann erübrigen sich schnelle, kraftvolle Bewegungen, weil sie zur Tortur werden und gar zu Verletzungen führen können. Nebenbei regelmässig Yoga zu praktizieren kann dir unter Umständen noch viele Jahre schenken, in denen du deine favorisierte Sportart ohne Beschwerden nachkommen darfst.

Nicht zuletzt fördert Yoga die Balance und Beweglichkeit enorm, was auch den Kickboxer:innen hie und da weiter helfen könnte. Kicken involviert Stabilität auf einem Standbein und Flexibilität in der Hüfte. Natürlich bringst du den Fuss mit genug Schwung und Willenskraft allenfalls für einen kurzen Moment auf Kopfhöhe, strapazierst hierbei aber Bänder und Sehnen und erhöhst das Verletzungsrisiko. Ich will mit dir deinen Körper auf solch ruckartige Bewegungen vorbereiten, damit du ohne Bedenken deine volle Kapazität nutzen kannst.

Welche Art von Yoga unterrichtest du und warum?

Ich unterrichte das so genannte Vinyasa Yoga. Der Atem spielt aus meiner Sicht eine massgebende Rolle, da er wie bereits erwähnt, das Bindeglied zwischen Körper und Geist darstellt. Mit gezieltem Atemfluss kann eine Bewegung stabilisiert, intensiviert und viel bewusster wahrgenommen werden. Atemkontrolle kann Stress reduzieren, Energie bereitstellen und zur Entspannung führen. Und, atmen kann jeder, der am Leben ist; ob Marathonläufer oder Querschnittsgelähmter.

Ein Atemzug, eine Bewegung: Dieser Grundsatz führt zu einem tanzartigen Fluss, der den Fokus auf die Grundpositionen (Asanas) ebenso legt wie auf die Übergänge. «Der Weg ist das Ziel.» oder besser gesagt: der Moment. In der heutigen Zeit leben wir gedanklich bereits morgen und übermorgen, während gestern und vorgestern noch lauernd im Nacken sitzen. Sobald du auf deine Matte trittst, hat das Jetzt den Vorrang. Und was wir immer wieder üben, kann schlussendlich vielleicht sogar auf den Alltag übertragen werden. Bald wirst du erkennen, dass sich das «Im Jetzt zu leben» so viel freier und intensiver anfühlt.

Ich unterrichte Vinyasa Yoga, weil es zudem unbegrenzte Kreativität erlaubt. Es gibt kein richtig oder falsch, kein Allerweltheilmittel. Jeder neue Yogalehrer, dem du begegnest, wird dir neue Inputs, neue Inspirationen vermitteln. Ausprobieren, neugierig sein; das ist Vinyasa Yoga.

Eine stündige Yogalektion von mir sieht ungefähr folgendermassen aus:

  • 5 min Eröffnung
  • 10 min Atemübungen und Einwärmen
  • 10 min Sonnengruss
  • 20 min Haupt-Flow
  • 5 min Dehnen, Lockerungsübungen
  • 10 min Sawasana und Abschluss

Für wen eignet sich dein Kurs?

Ich hege den Wunsch, dass Yoga für alle zugänglich ist. Ob jung, alt, gross, klein, sportlich oder totaler Neueinsteiger. Ich offeriere bei schwierigeren Posen stets Alternativen und erwarte im Gegenzug, dass sich meine Schüler nicht überschätzen und auf ihren Körper hören. Ich plädiere auf Eigenverantwortung und Ehrlichkeit und unterstütze dich im Gegenzug gerne, falls du mit gewissen Einschränkungen zu kämpfen hast. Während meiner Ausbildung habe ich auch gelernt, was es bei Yoga während und nach der Schwangerschaft zu beachten gibt. Ich bitte um frühzeitige Information, damit ich mich gegebenenfalls vorbereiten kann.

Mein 12-wöchiges Programm im Raion Dojo wird Beginner-freundlich gestaltet sein. Ich lege grossen Wert darauf, dass die Grundpositionen und Abläufe verstanden sind, bevor wir uns an etwas anspruchsvollere Positionen herantasten. Wenn Fragen oder Wünsche auftauchen, gehe ich sehr gerne darauf ein. Ich möchte meinen Schülern einen Ort geben, an dem sie ankommen können und sich wohl fühlen. Ein Ort, wo jeder sich selbst sein kann und keinen Zwang oder Druck verspürt. Yoga soll heilen; körperlich wie seelisch. Und das kann nur geschehen, wenn man sich seinen Gefühlen stellt. Ich habe schon erlebt, dass andere (und auch ich) im Sawasana plötzlich zu weinen begonnen haben – sie wussten nicht einmal weshalb. Aber sie merkten im Anschluss, dass ein schmerzvoller Anteil aus der Vergangenheit «gegangen» ist. Eine solche Erleichterung kann enorm sein und ich möchte dieses Gefühl gerne weitergeben. Jedoch geht das nur, wenn die Umgebung stimmt. Wenn derjenige links oder rechts von dir sich nicht abwendet und dir anstelle ein aufmunterndes Lächeln zuwirft. Yoga ist ein Miteinander. Jede Person in meiner Klasse sehe ich als Bereicherung und möchte ihre Individualität wertschätzen.

 

 

Über Tanja und ihren Weg zum Yoga

Vor ungefähr neun Jahren habe ich zum ersten Mal bewusst Yoga gemacht. Auf Grund einer chronischen Krankheit musste ich stationär für ein paar Monate im Spital verbleiben und meine Mutter hat mir die CD «Sonnengruss» von Marcel Anders-Hoepgen geschenkt. Sie sei ihr im Orell Füssli empfohlen worden. Nun ja, dieser Verkäufer hat wohl mein Leben verändert. Leider bin ich nie dazu gekommen, mich bei ihm zu bedanken. Die CD vermittelt ein klassisches, ruhiges und kraftvolles Yoga. Ich fühlte mich sehr leer und hoffnungslos in dieser Zeit, aber das Programm der CD habe ich seitdem konsequent über drei Jahre lang täglich gemacht. Im ASVZ, das Sportprogramm an der Universität Zürich, bin ich nach der Matura auf meine nächste Yoga-Inspiration getroffen. Misty Richardson unterrichtet sonst Yoga zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Freund in einem eigenen Studio am Limmatplatz in Zürich. Ich hatte grosses Glück, dass ich ihr gleich bei meinem ersten Besuch begegnet bin. Mit dem «Yoga-Stil» anderer Yogalehrer im ASVZ konnte ich mich nämlich nicht wirklich anfreunden. Wir standen auch persönlich in regem Kontakt und ich besuchte nach einer Weile ein Retreat von ihnen im Allgäu, wo der Schwerpunkt im Para Yoga Nidra lag. Mit dem Ausbruch des Coronavirus und meinem Ausschluss aus dem Medizinstudium trennten sich unsere Wege mit der Zeit. Dem war natürlich nicht so mit dem Yoga. Auf Instagram fand ich weitere Anregungen und trat schliesslich auch in Kontakt mit Kylan Fischer. An ihren Zoom-Lektionen nahm ich eine Zeit lang regelmässig teil.

Die Idee, eines Tages eine Yoga-Ausbildung zu absolvieren, hegte ich schon länger, sah deren Ausführung auf Grund des Studiums jedoch erst weit in der Zukunft liegen. Nach Humanmedizin schrieb ich mich für Biomedizin ein, widerrief dieses Vorgehen aber nach einem Semester. Erneut an der Universität Zürich zu studieren, brachte mich, nachdem der Traum vom Arzt sein für immer geplatzt war, emotional an meine Grenzen. Zeit für Yoga war die Devise. Und so entschloss ich mich kurzerhand für die online Yogaausbildung von Carling Harps und Patrick Beach aus Seattle. Nebst enormem Lernerfolg, stehe ich nun in Kontakt mit Yoga-Lehrern aus aller Welt. Wir unterstützen, inspirieren und beraten uns gegenseitig. Wie gesagt, Yoga ist ein Miteinander. Die Ausbildung war für jede/n einzelne/n von uns auch gleichzeitig ein Weg zu sich selbst.

Nach der Ausbildung bot ich selber einige Zoom-Lektionen an, um mein Wissen ad hoc zu behalten und an Erfahrung dazu zu gewinnen. Ich hatte grossen Spass dabei und freute mich umso mehr über die positiven Rückmeldungen. Sogar mein Bruder praktiziert nun regelmässig Yoga.

Ich starte nun Ende September die Ausbildung zur Yoga-Therapeutin, was mittlerweile in der Schweiz als anerkannte Komplementärtherapieform gilt. Das Leben hat mir oft einen Strich durch die Rechnung gemacht und Yoga hat mir neue Perspektiven geöffnet. Yoga hat mich gelehrt, lieb zu mir zu sein und mich und meinen Körper zu akzeptieren. Yoga hilft mir, mich selbst zu lieben. Im Hier und Jetzt zu sein. Ich will das weiter geben; Perfektion ist nicht das Ziel – du selbst bis es.

 

Du möchtest mit Tanja zusammen in die Welt des Yoga eintauchen? Dann melde dich jetzt an: sportsnow.ch

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